SCHWERHÖRIG NEWS
Die Internetzeitung nicht nur für Hörgeschädigte
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Liebe Leserinnen und Leser,
1. 125 Jahre Deutsche Schwerhörigenbewegung: Gemeinsam besser hören!
Ein Rückblick auf die Jubiläumsveranstaltung in Berlin vom 17. bis 20. September 2026
Die Veranstaltung „125 Jahre Deutsche Schwerhörigenbewegung – Gemeinsam besser hören!“ in den Räumen der Evangelischen Matthäus-Kirchengemeinde in Berlin-Steglitz war ein großer Erfolg.
Es gelang, den Deutschen Schwerhörigenbund (DSB), den Deutschen Hörverband (DHV) und die Deutsche Cochlea Implantat Gesellschaft (DCIG) unter einem Dach zusammenzubringen und damit ein wichtiges Zeichen der Zusammengehörigkeit zu setzen.
Der Verlauf der Jubiläumsveranstaltung
Donnerstag, 17. September 2026
Die Veranstaltung begann mit der Tagung des Länderrates des Deutschen Schwerhörigenbundes.
Freitag, 18. September 2026
Am Freitag folgten die Mitgliederversammlungen des Deutschen Schwerhörigenbundes sowie des Deutschen Hörverbandes.
Samstag, 19. September 2026
Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete der Selbsthilfetag am Samstag.
Im Rahmen dieser Veranstaltung sprach die Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Leonie Gebers, in Vertretung der verhinderten damaligen Bundesministerin Bärbel Bas, die inzwischen von ihrem Amt zurückgetreten ist.
Besonders wichtig war für uns, dass Staatssekretärin Gebers tatkräftige Unterstützung in den verschiedenen Belangen schwerhöriger Menschen zusagte. Dabei verwies sie insbesondere auf die geplante Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG).
Unsere Erwartungen an die Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes
Den vorliegenden Reformvorschlag betrachten wir allerdings weiterhin kritisch. Aus unserer Sicht stellt er noch nicht den erhofften großen Wurf für schwerhörige Menschen dar.
Obwohl Menschen mit Hörbeeinträchtigungen eine der größten Gruppen von Menschen mit Behinderungen in Deutschland bilden, werden ihre spezifischen Probleme und Bedürfnisse nicht ausdrücklich genug berücksichtigt.
Darüber hinaus fehlen aus unserer Sicht ausreichend wirksame Sanktionsmöglichkeiten bei Verstößen gegen die gesetzlichen Vorgaben.
Den Besuch der Staatssekretärin werten wir dennoch als einen wichtigen ersten Schritt zu einem stärkeren Problembewusstsein innerhalb des Bundesministeriums.
Nun liegt es auch an uns, auf diesem direkten Kontakt aufzubauen und die konkreten Anliegen schwerhöriger und ertaubter Menschen im Ministerium einzubringen.
Unser Ziel muss sein, dass diese Anliegen nicht nur zur Kenntnis genommen, sondern ernsthaft geprüft und schließlich durch entsprechende Gesetze, Verordnungen und praktische Maßnahmen umgesetzt werden.
Diese Form der direkten Interessenvertretung wurde in der Vergangenheit leider nicht ausreichend genutzt.
Abschluss der Jubiläumsveranstaltung
Am Sonntag, 20. September 2026, endete die Jubiläumsveranstaltung mit einem Festgottesdienst.
Das Jubiläum würdigte zugleich das Lebenswerk von Margarethe von Witzleben, der Begründerin und bedeutenden Förderin der deutschen Schwerhörigenbewegung.
Parallel dazu fand die Generalversammlung 2026 der Deutschen Cochlea Implantat Gesellschaft statt.
Weiterführende Informationen: 125 Jahre Schwerhörigenbewegung – Veranstaltungsrückblick des DSB
2. Selbsthilfegruppen für Schwerhörige in Unterfranken
Nach unserem Rückblick auf die Jubiläumsveranstaltung in Berlin richten wir den Blick nach Unterfranken.
Der bayerische Regierungsbezirk hat nicht nur landschaftlich und kulturell viel zu bieten. Insbesondere Würzburg ist mit seinen zahlreichen Sehenswürdigkeiten immer eine Reise wert.
Auch die Selbsthilfe ist in Unterfranken mit mehreren Gruppen und Kontaktmöglichkeiten vertreten.
Selbsthilfegruppen und Ansprechpartner
- Selbsthilfegruppe für Schwerhörige Karlstadt
Kontakt: friedrich-karlstadt@gmx.de - Selbsthilfegruppe für Schwerhörige Lohr am Main
Kontakt: franzfrankenberger@googlemail.com - Selbsthilfegruppe für Schwerhörige Bad Neustadt an der Saale
Kontakt: bhpra@web.de - Tinnitus-Selbsthilfegruppe Würzburg
Kontakt: info.tinnitus.shg-wue@web.de - Selbsthilfegruppe für Schwerhörige – Stammtisch „Vier Jahreszeiten“
Kontakt: erich.muenster@live.de - Selbsthilfegruppe für Schwerhörige Aschaffenburg
Kontakt: christianebergmann@googlemail.com
Weitere Informationen: Bezirksverband Unterfranken der Schwerhörigenvereine und Selbsthilfegruppen e. V.
3. Ein gemeinsamer Verband für alle hörgeschädigten Menschen?
Überlegungen zu einer stärkeren Interessenvertretung auf Bundesebene
Die Gründung des Deutschen Hörverbandes im Dezember 2022 war zweifellos ein richtiger und wichtiger Schritt.
Damit wurde das Ziel einer engeren Zusammenarbeit der Verbände auf Bundesebene vorangebracht. Zugleich eröffneten sich neue Möglichkeiten für eine bessere gesellschaftliche und politische Interessenvertretung.
Doch könnte dieser Zusammenschluss nicht noch wesentlich weitergehen?
Die Mitgliederzahlen der Verbände
Der Deutsche Schwerhörigenbund verfügt nach den uns vorliegenden Angaben derzeit über rund 2.800 Mitglieder.
Dabei sind die etwa 80 Selbsthilfegruppen, die den Landesverbänden beziehungsweise Ortsvereinen angeschlossen oder mit ihnen assoziiert sind, nicht berücksichtigt.
Auf der Generalversammlung der Deutschen Cochlea Implantat Gesellschaft wurde deren Mitgliederzahl mit 3.105 angegeben.
Zusammengenommen verfügen diese beiden Verbände somit über rund 6.000 Mitglieder.
Betrachten wir nun die Deutsche Tinnitus-Liga (DTL), die nach eigenen Angaben rund 10.000 Mitglieder vertritt.
Nach Aussagen von Dr. Roland Zeh tragen etwa 60 bis 80 Prozent dieser Mitglieder eine Hörhilfe in Form eines Hörgerätes (siehe Interview mit Dr. Zeh in Tinnitus News 27).
Damit kommen der Deutsche Schwerhörigenbund, die Deutsche Cochlea Implantat Gesellschaft und die Deutsche Tinnitus-Liga zusammen auf rund 16.000 Mitgliedschaften.
Diese drei Verbände würden aufgrund ihrer gemeinsamen Interessen und Zielsetzungen gut zusammenpassen.
Allen geht es darum, den betroffenen Menschen auf politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene mehr Gewicht und damit mehr Gehör zu verschaffen.
Gemeinsam handeln statt nebeneinander arbeiten
Eine engere Zusammenarbeit könnte entscheidende Vorteile bringen.
Bundesweite Aktionen würden nicht länger unabhängig voneinander oder möglicherweise sogar in Konkurrenz zueinander stattfinden, sondern gemeinsam geplant und durchgeführt werden.
Durch abgestimmte Forderungen, eine gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit und ein geschlossenes Auftreten gegenüber der Politik ließe sich der Einfluss hörgeschädigter Menschen auf Bundesebene deutlich erhöhen.
Eine solche Bündelung der Kräfte könnte dazu beitragen, bessere Ergebnisse zu erzielen als bisher.
Auch den Deutschen Gehörlosen-Bund einbeziehen
Gehen wir noch einen Schritt weiter.
Der Deutsche Gehörlosen-Bund (DGB) setzt sich auf Bundesebene für die Interessen von rund 80.000 gehörlosen Menschen und Menschen mit Hörbehinderung und Gebärdensprache ein.
Die Deutsche Cochlea Implantat Gesellschaft ging für das Jahr 2023 zudem von etwa 60.000 Menschen mit Cochlea-Implantat in Deutschland aus.
Diese Zahlen beschreiben unterschiedliche Personengruppen, die sich teilweise überschneiden. Sie können deshalb nicht einfach addiert oder voneinander abgezogen werden.
Sie zeigen jedoch, wie viele Menschen von einer gemeinsamen, starken Interessenvertretung profitieren könnten.
Ein Zusammenschluss beziehungsweise eine verbindliche Interessenallianz dieser vier Verbände auf Bundesebene wäre ein starkes Zeichen der Einheit.
Er würde gegenüber Politik, Gesellschaft und Wirtschaft verdeutlichen, dass Menschen mit unterschiedlichen Formen der Hörbehinderung gemeinsame Interessen haben und für deren Durchsetzung zusammenstehen.
Raus aus dem Isolationismus: Gemeinsam mehr erreichen
Eine solche Zusammenarbeit böte endlich die Möglichkeit, bestehende Formen des Isolationismus und die bisherige Zersplitterung der Interessenvertretung zu überwinden.
Die Lösung der Probleme hörgeschädigter Menschen ist eine gesamtgesellschaftliche und öffentliche Aufgabe.
Es darf nicht die Aufgabe der Betroffenenverbände sein, den Verantwortlichen in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft immer wieder hinterherzulaufen, um die Einhaltung von Rechten einzufordern, die hörgeschädigten Menschen längst zustehen.
Vielmehr ist es umgekehrt: Politik, Gesellschaft und Wirtschaft stehen in der Verantwortung, bestehende Rechte zu gewährleisten, Barrieren abzubauen und eine gleichberechtigte Teilhabe sicherzustellen.
Eine starke gemeinsame Interessenvertretung könnte wesentlich dazu beitragen, dass dieser Anspruch endlich konsequenter verwirklicht wird.
